Mittlerweile hat sich die Welt ja schon fast wieder vom Radsport-Doping-Skandal um den spanischen Mediziner Fuentes erholt und auch die Protagonisten üben sich im unter den Teppich kehren. Schade eigentlich, denn die ganze Angelegenheit bietet noch viel mehr Raum für abgrundtiefe Blicke in mögliche Fehlentwicklungen des Profi-Sports, wird doch auch gerade das Gerücht laut, Floyd Landis könnte als aktueller Toursieger ebenfalls positiv getestet worden sein.
Im Einstieg sollte man die Überlegung anstellen, warum eigentlich gedopt wird und ob tatsächlich alle dopen?
Ökonomische Theorien sagen ganz eindeutig, dass im Spitzensport und noch viel stärker im Profisport, wo man ja seinen Lebensunterhalt mit dem Erfolg verdient, dem rational denkenden Individuum keine andere Wahl bleibt, als sich für Doping zu entscheiden. Harte Aussage zu Beginn, doch wir haben ja noch Ethik, Moral, finanzielle Zwänge und Dopingkontrollen.
Daher sollte man sich grundsätzlich vor Pauschalverurteilungen hüten und auch einsehen, dass professionelles Doping eine Menge Geld kostet. Bei „Vertragsgebühren“ in den Geheimnetzwerken von mindestens 30000 Euro jährlich bedarf es schon eines guten Verdiensts, um sich nach aktuellem Stand „dopingtestsichere Behandlungen“ leisten zu können. Damit fallen eigentlich die meisten Radsportler, Leichtathleten, Läufer, Biathleten, Ski-Langläufer und Triathleten schon mal raus aus dem Kreis der Verdächtigen. Trotzdem sollte man jedoch auch anhand der immer wiederkehrenden Fälle einsehen, dass offensichtlich ein Bewusstsein in diesen Disziplinen vorherrscht, ohne einen guten Arzt nichts bewegen zu können und wenn schon „die da oben“ manipulieren, dann kann man das ja auch im kleinen Rahmen versuchen.
Wir sprechen hier mit Absicht von mehr Ausdauerdisziplinen als dem offensichtlich in Verruf geratenen Radsport, denn es gibt eindeutige Hinweise auf eine Verknüpfung des „Fuentes-Netzwerks“ mit zum Beispiel der Leichtathletik und dem deutschen „Doping-Trainer“ Thomas Springstein, der als ehemaliger Trainer des Jahres und Betreuer von Grit Breuer aktuell wegen Minderjährigendopings verurteilt wurde. Oder glauben Sie wirklich, dass dieses Netzwerk das Einzige sei, nachdem wohlgemerkt die Steuerfahndung in den USA den Balco-Skandal ausgelöst hat, die Justiz im italienischen Fußball und Radsport vor ein paar Jahren einen Dopingskandal ausgelöst hat (leider ohne offensichtlich wirkliche Folgen), der Zoll die Festina Affäre 1998 ins Rollen gebracht hat, die Justiz in Turin den Österreichern auf die Finger geschlagen hat und auch in Spanien den Fall ins Rollen brachte? Wir wollen wie gesagt nicht die Ausdauerdisziplinen als Themenschwerpunkt dieses Artikels insgesamt an den Pranger stellen, sondern einfach nur feststellen, dass es an der Stelle, an der man viel Geld mit dem Sport und dem Athleten verdienen kann auch eine sehr große Gefahr für Fehlentwicklungen gibt, bei denen die Sportler als „mündige Patienten“ ihrer eigentlichen Verantwortung nicht gerecht werden.
Aus meiner eigenen Zeit als Aktiver kann ich mir zumindest nicht vorstellen, dass der durchschnittliche Athlet Aufwand, Zeit und Intellekt aufbringt, um in solche Netzwerke hinein zu gelangen. Daher ist der Weg vom Jugendsportler hin zum Multimillionär im Sport immer geprägt durch ein gewisses Umfeld „zum Wohle des Aktiven“ und dort sitzen meist die wirklichen Scharlatane und Geldscheinzähler, denn eines ist wohl auch sicher, wenn ein Jan Ullrich seine Sportart nicht lieben würde, dann würde er mit oder ohne Doping auch nicht freiwillig 40000km pro Jahr bei Wind und Wetter radeln. Doch letztlich trägt der Athlet nicht nur nach dem Doping Code die Verantwortung dafür, was in seinen Körper gelangt und was mit ihm gemacht wird.
Dass die Liebe und der Ehrgeiz auch bei Athleten zu weit gehen kann, wollen wir dabei ebenfalls nicht außer Acht lassen. Sicher ist es so, dass nach aktuellem Stand die Beweislage zum Beispiel gegen die österreichischen Ski Langläufer und auch gegen Jan Ullrich eher sehr dünn ist, doch aus unserer Sicht ist es mehr als merkwürdig, dass der österreichische Langläufer Johannes Eder sich während der Olympiade wohlgemerkt selbst eine Infusion legt, obwohl er wissen müsste, dass dies verboten ist. Noch viel schlimmer als die Tatsache, dass mancher Sportler heutzutage wohl doch eine Mischung aus Apotheker, Mediziner und Krankenschwester abgibt, ist dabei jedoch der Fakt, in welcher Art und Weise sich beispielsweise Markus Gandler, ehemaliger Athlet und erfolgreich bei der Heim WM 1999 in der Ramsau, der jetzt in höchster Verantwortung im Verband steht, über den Fall brüskiert und von der Verschwörungstheorie Italiens gegen das kleine Österreich bis hin zur wundervollen Stimmung unter dem verdächtigen Trainer Maier Alles ins Felde führt, was die Blutbeutel von Salt Lake City und Co. rechtfertigen könnte, frei nach dem Motto, der Erfolg zählt und die Anderen machen das garantiert genauso.
Damit wird wohl klar, dass das Thema Doping deutlich vielschichtiger ist, als es im Boulevard dargestellt wird und im zweiten Teil wollen wir uns mit dem aktuellen „Trend“ des Blutdopings auseinandersetzen.
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