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Doping im Ausdauersport Teil 2

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Doping im Ausdauersport Teil 2

Sind Ausdauersportler wirklich als Testlabore und rollende Apotheke in der Weltspitze unterwegs? Was bringt Blutdoping eigentlich, wo liegen die Risiken und was kann man für einen sauberen Sport tun? Dieses Mal: Favoriten in der Dopingszene


Doping
Sportmedizin
Training


 

Eines kann man wohl in Anbetracht der vielen negativen Kontrollen während der vergangenen Olympiade in Athen, der Fußball-WM in Deutschland und der Tour de France mit Sicherheit sagen. Die Zeiten, in denen Athleten vollgepumpt mit leistungssteigernden Mitteln zum Wettkampf kamen sind längst vorbei und es bedarf schon einer großen Menge Naivität, um sich heute noch im Wettkampf erwischen zu lassen. Ferner scheint es aktuell so zu sein, dass die WADA in ihrem Kampf gegen Doping Fortschritte erzielt hat, denn bei dem spanischen Doping Arzt Fuentes wurden keine „neuen“ Mittel und Methoden entdeckt. 

Mit den besseren Kontrollen hat das Thema Doping jedoch eine andere Ausrichtung erhalten. Zum einen geht der Trend ganz klar weg von großen Einmaldosen und hin zu einer niedrigen Dauerdosierung, so dass man immer unter den Grenzwerten bei den Kontrollen bleibt. Fraglich ist dabei jedoch, ob all die Risiken einer Medikation, die eventuell langfristig unerforschten Nebenwirkungen und die gesamte Illegalität dieses Systems tatsächlich durch den leistungssteigernden Nutzen aufgehoben wird?

Wenn ja (was der Fall Landis und die Indizien gegen Ullrich und Co. ja auch zeigen), dann gibt es nur eine ganz einfache Antwort. Die gültigen Grenzwerte sind immer noch zu hoch und lassen somit Leistungssteigerungen durch Medikation zu.

Da kommt natürlich gleich der Aufschrei von allen Seiten, denn das Problem bei den Grenzwerten sind ja die Streubreiten bei den Athleten und die „individuellen Ausnahmen“, man will ja nicht, dass plötzlich alle positiv sind und die genetischen Talente vom Wettbewerb ausgeschlossen werden.

Manchmal hat man ja im Sport der heutigen Zeit den Eindruck, man befindet sich in Special-Versehrten-Wettbewerben und nicht, dass Sport gesund sei, denn irgendwie jeder im Sport ist Asthmatiker, hat Hormonstörungen, oder sonst was und kann damit bestimmte Medikamente auf Anraten seines Arztes nehmen. Auch ein Floyd Landis versucht es ja mit einer Schilddrüsenfehlfunktion, die ihm die Einnahme von Hormonen erlaubt, Jan Ullrich ist Asthmatiker und Lance Armstrong war ja der Allerbeste, da er als Mann mit nur einem Hoden nach einer Krebserkrankung Testosteron und Co. einnehmen durfte.

Doch auch dafür gibt es eine einfache, wenn auch anfangs teure Lösung. Den individuellen Sportlerpass, in dem über eine Langzeitbetreuung des Athleten die individuellen Bandbreiten festgestellt und überwacht werden, so dass sich Abweichungen durch unerlaubte Medikation schnell entdecken lassen. Außer man ist so skrupellos und dopt bereits ab Beginn der Überwachung im Jugendalter. 

Der zweite Trend im Doping insgesamt ist nicht die direkte Leistungssteigerung, wie das zum Beispiel bei EPO der Fall war und jetzt auch mit dem Blutdoping wieder versucht wird, sondern viel stärker die Unterstützung einer beschleunigten Regeneration. Denn ein Athlet, der schneller und besser regeneriert, kann härter und mehr trainieren und ist damit am Ende erfolgreicher. Damit rückt natürlich die Niedrigdosierung wie oben beschrieben genauso mit in den Mittelpunkt der Betrachtungen, doch vor allen Dingen eben auch die regenerationsfördernden und damit anabolen Substanzen.

Oder warum sollte ein Dieter Baumann wohl sonst Nandrolon in seiner Zahnpasta gehabt haben? Weil es als anabole Substanz die Muskelregeneration fördert und damit auch dem Ausdauersportler hilft. Deshalb sind also auch alle Hormone unseres Körpers, die etwas mit Wachstum und Regeneration zu tun haben, für den potentiellen Doper äußerst interessant und da hartes Training immer eine zunächst negative Auslenkung des Funktionsgleichgewichts unseres Körpers bedeutet, versucht der dopende Athlet natürlich in erster Linie genau die Substanzen zu erhalten, die diesen Prozess möglichst schnell wieder rückgängig machen, also Wachstumshormone, Geschlechtshormone, psycho-vegetativ und das Immunsystem regulierende Substanzen. All diese Dinge kann man heutzutage ohne Probleme in der Apotheke seines Vertrauens, im Internet oder auf dem blühenden Schwarzmarkt erwerben.

Aktuell werden ja diese beiden Thesen durch Floyd Landis eindrucksvoll untermauert. Denn das diese Niedrigdosierungen mit regenerationsfördernden Geschlechtshormonen und Co. etwas bringen, zeigte seine Solofahrt mit Etappensieg nach dem Einbruch bei der Tour de France am Tag zuvor wirklich eindrucksvoll. Offensichtlich hat er nur wohl „ein Pflaster Testosteron zu viel geklebt“ und ist damit über die Grenzwerte hinaus geschossen.

Ein weiteres Problem sollte man jedoch hinzufügen und das ist die unterschiedliche Kontrollintensität auf der Welt und die Reisen der Athleten. Man hat zwar versucht, dem „Verschwinden“ der Athleten zu „Trainingslagern“ an exotischen Orten Einhalt zu gebieten indem die Athleten erklären müssen, wenn Sie zu Trainingslagern unterwegs sind und auch dort für Kontrollen zur Verfügung stehen müssen, doch sollte man nicht so naiv sein und glauben, dass mancher Sportler nur wegen der Höhe nach Kenia fährt, oder nur wegen den guten Bedingungen in die USA und sonst wo hin reist und sich für ein paar Wochen aus der Wettkampfszene raus nimmt, um dann Topfit am Start zu stehen.

Auch wenn es mir als Trainer, Athlet und Fan schwer fällt, schaut man sich die Fakten und die Möglichkeiten des Internets, des Geldes, der freien Welt und der modernen Medizin an und addiert dazu noch die „Krankheiten“ der Athleten sowie die Versuchung des Ruhms und des Reichtums in Verbindung mit geldgierigen Managern und Beratern, dann ist wohl nur schwer an einen sauberen Profisport zu glauben.

Im nächsten Teil erfahren Sie mehr über Testosteron, Blutdoping und Co.!

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Artikel eingestellt am: Mittwoch, 09. August 2006

Author: Sindy Zimmermann

Meinungen / Bewertungen: keine

 

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