Mit dem Begriff Blutdoping werden Methoden zur künstlichen Erhöhung der Hämoglobinkonzentration im Blut umschrieben. An das Hämoglobin der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) binden in der Lunge Sauerstoffmoleküle, so dass ein Mehr an Hämoglobin zu einer verbesserten Sauerstoffaufnahme führt. Die Ausdauerfähigkeit nimmt zu.
Unter das Dopingverbot fallen sämtliche Manipulationen mittels Transfusionen: sowohl die Fremdblutspende (homologe Transfusion, auch von anderen Gattungen (heterolog)), als auch die Eigenblutspende (autologe Transfusion). Bei der Eigenblutspende wird dem Sportler mehrere Wochen vor einem Wettkampf Blut entnommen. Der Körper bildet in den darauf folgenden Wochen dieses Blut neu, sodass der Sportler nach der Rücktransfusion des Blutes (oder auch nur der Erythrozyten) für einige Wochen von einer größeren Sauerstoffaufnahme und damit einer besseren Ausdauer profitieren kann.
Bei der Fremdblutspende besteht allerdings das Risiko der Übertragung schwerwiegender Erkrankungen wie AIDS, Hepatitis, einer Tropen- oder Geschlechtskrankheit. Außerdem ist diese mittlerweile über Antikörper im Blut nachweisbar, was ja zum Beispiel Tyler Hamilton „zum Verhängnis“ wurde, der nach dem Olympiasieg in Athen erstmals positiv auf Fremdblutdoping getestet wurde.
Das entnommene Blut wird üblicherweise in einem Kühlschrank (Blutbank, +4°C) oder auch tiefgefroren konserviert. Bei Aufbewahrung in der Blutbank muss das Blut innerhalb von 4-5 Wochen reinfundiert werden, da die Anzahl lebensfähiger Erythrozyten ständig abnimmt. Wird das Blut unter Anwendung der Glycerin--Gefriertechnik bei -85° C tiefgefroren, so kann das Intervall zwischen der Entnahme und Reinfusion auf mehrere Jahre ausgedehnt werden.
Auswirkungen von Blutdoping auf die Leistungsfähigkeit
Unter körperlichem Training kommt es generell zu einer Zunahme des Blutvolumens und damit zu einer besseren Füllung des Herzens. Manche Autoren vermuten dass auch die Leistungssteigerung, die unter der Blutrücktransfusion (Blutdoping) beobachtet wird, eher im Sinne einer solchen verbesserten kardialen Füllung zu erklären ist, als durch den Anstieg des Hämoglobinwerts und die damit erhöhte Sauerstoffbindungsfähigkeit. Bei der häufigen Diskussion um hohe Hämatokritwerte bei Sportlern sollte man eigentlich jedoch auch nicht vernachlässigen, dass die Erhöhung des Blutvolumens ja grundsätzlich eine Verringerung des Hämatokritwerts, bzw. der Hämoglobinkonzentration zur Folge hat. Dies versucht der Sportler natürlich durch Maßnahmen wie das Höhentraining, oder eben Blutdoping auszugleichen, denn als entscheidendes Kriterium für die Ausdauerleistung gilt die individuelle Fähigkeit zur Sauerstoffaufnahme.
Die Zufuhr von Sauerstoff im Blut entscheidet, was der Körper im Fett- und Kohlenhydrat-Stoffwechsel tatsächlich leisten kann. Diese Fähigkeit ist wesentlich genetisch bedingt. Die Muskulatur späterer Spitzenathleten kann bereits in untrainiertem Zustand etwa 60 Milliliter Sauerstoff pro Kilogramm des eigenen Körpergewichts in einer Minute aufnehmen, die des Normalverbrauchers hingegen nur etwa 40 Milliliter pro Kilogramm. Um mit der Weltspitze mithalten zu können, müssen es 85 bis 90 Milliliter sein. Das kann durch jahrelanges umfangreiches Training erreicht werden, oder aber es wird mit EPO und Blutdoping nachgeholfen. Um nicht auffällig gegenüber den Kontrolleuren zu werden, hält man mit einer niedrigen Dosierung das ganze Jahr über den Hämatokritgehalt des Blutes konstant im oberen Bereich des Erlaubten. Vor dem Wettkampf führt man dann das abgezapfte Blut dem Körper wieder zu und erhöht somit das Blutvolumen, ohne die Grenzwerte bei der Hämoglobinkonzentration zu überschreiten.
Mit dieser Methode kann man die Leistungsfähigkeit um 5 bis 8 Prozent steigern, was in der Weltspitze über Sieg und Niederlage entscheidet und auch noch 14 Tage nach der Infusion ist die Leistungsfähigkeit um ca. 3 Prozent erhöht.
Nebenwirkungen von Blutdoping
Bluttransfusionen führen - unabhängig von der Art - zu einem Anstieg der Gesamterythrozytenmasse und damit zu einem Anstieg von Hämoglobin, Hämatokrit und Viskosität. Also muss der dopende Athlet in der Dosierung darauf achten, dass er nicht über die Grenzwerte rutscht. Eine zunehmende Viskosität des Blutes führt per se auch zu einer geringeren VO2max, jedoch scheint dieser leistungseinschränkende Faktor geringer zu sein, als die leistungssteigernden Effekte eines höheren arteriellen Sauerstoffgehalts und eines höheren Volumens mit den peripheren Anpassungen.
Die großen Risiken einer Transfusion mit Fremdblut haben wir ja bereits oben erläutert. Grundsätzlich besteht jedoch bei jeder Transfusion ein erhöhtes Infektionsrisiko und die Gefahr einer toxischen Reaktion, wenn das Blut zum Beispiel falsch gelagert wurde. Daher ist auch im Fall Jan Ullrich eine entscheidende Frage, ob er in Spanien war, denn nur dort kann er das Blut erhalten haben. Seine Dosen mal eben durch die Welt zu schicken, ist sehr unwahrscheinlich. Es kann zu Verunreinigungen und Veränderungen kommen, wenn Blut nicht fachgerecht abgenommen und gelagert wird. Dem Sportler drohen schwere Infektionen, wenn ihm verunreinigtes Blut zugeführt wird. Außerdem besteht die Gefahr eines Kreislaufkollapses, wenn das Blutvolumen durch die Zufuhr von einem halben oder einem ganzen Liter Blut schlagartig ansteigt.
Dazu kommt die höhere Thrombosegefahr, noch verstärkt durch die verringerten Fließeigenschaften des Blutes, bis hin zu Herzinfarkt, Lungenembolie und Schlaganfall.
Da Erythrozyten eine begrenzte Lebenserwartung haben, führt die Konservierung von Blut zu einem progressiven Abbau der roten Blutkörperchen (Hämolyse) bereits vor der Reinfusion, der unmittelbar nach Infusion aufgrund einer erhöhten Fragilität noch einmal zunimmt. Diese Hämolvse kann leichte Symptome der Gelbsucht (aufgrund eines höheren Gehalts an Bilirubin = Abbauprodukt von Hämoglobin) hervorrufen. Eine weitere Folge der Infusion hämolysierten Erythrozyten ist die Freisetzung von Eisen, so dass es zu einer Eisenüberladung führen kann und auch zu Symptomen der Nesselsucht.
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