Essen wir uns krank?

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Deutschland wird immer schwerer; Wissenschaft erkennt hohe Insulinausschüttungen infolge falscher Ernährung nicht nur als Ursache für Diabetes, sondern auch als Einflussfaktor auf das Sättigungsgefühl ...


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The american way of life – Freiheit und Abenteuer – Reichtum und Schönheit - das waren einmal die Attribute für die neue Welt, doch heute gilt Amerika als das Land der „Dicken“, kaum eine andere Nation rühmt sich so vieler Übergewichtiger und krankhafter Fettleibiger. Aber auch in Deutschland schlagen Wissenschaftler und Ärzte in der Zwischenzeit Alarm: nach aktuellen Zahlen sind 65% der Männer und 55 % der Frauen in Deutschland übergewichtig, davon gelten 20 % sogar als krankhaft übergewichtig (man spricht hier von Adipositas). Noch 1999 waren es 56 % der Männer und 40 % der Frauen, die etwas zu viel auf den Hüften und am Bauch hatten.

Dies sind demnach alarmierende Tendenzen, bedeutet es doch, dass auch in den folgenden Jahren mit einer weiteren „Zunahme“, im wahrsten Sinne des Wortes, zu rechnen ist. Die Folgen liegen klar auf der Hand, schon heute gehen 70 % aller Todesfälle auf eine Fehlernährung zurück und die Kosten für unser Gesundheitssystem steigen ins Unermessliche. So kostet die Behandlung von Diabetes mellitus, der Zuckerkrankheit (eine Erkrankung die ohne Zweifel mit Übergewicht einher geht), etwa 5 Milliarden Euro pro Jahr. Die Kosten der Behandlung aller durch Übergewicht verursachter Erkrankungen sind schwer abzuschätzen, belaufen sich aber laut Prof. Joost (Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam) auf etwa 40 Milliarden jährlich. Allein in Deutschland summieren sich auf diesem Wege nach Angaben  von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) durch ernährungsbedingte Krankheiten jährliche Folgekosten in Höhe von 80 Milliarden Euro. Das entspricht 30 Prozent der gesamten Gesundheitskosten. «Das Tempo, in dem die Zahl der übergewichtigen Kinder und Erwachsenen zunimmt, ist alarmierend», sagte Schmidt. In den vergangenen zehn Jahren habe sich die Zahl der Deutschen, die an Übergewicht oder Fettleibigkeit leiden, verdoppelt. Besonders besorgniserregend ist allerdings, dass auch unsere Jüngsten immer häufiger betroffen sind. Noch vor 30 Jahren waren gerade mal 2 % der eingeschulten Kinder zu dick, heute sind es 20 %. Ursachen liegen in dem vielfältigen Angebot, meist äußerst energiehaltiger Nahrungsmittel, und mangelnder Bewegung. Einen Beitrag zum steigenden Übergewicht leistet auch der zunehmende Verzehr von fett- und energiehaltigen Fertigprodukten. Denn immer weniger Menschen nehmen sich die Zeit für die Zubereitung von Gerichten selbst und greifen lieber auf bequemere Varianten zurück. Oder wann waren Sie das letzte Mal ihr Essen jagen?

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Aber warum greift der natürliche Sättigungsmechanismus bei uns Menschen scheinbar nicht mehr, wohingegen in der Tierwelt Fettleibigkeit schlichtweg nicht auftritt.

Wissenschaftler aus Köln um Prof. Brüning haben sich diesem Problem gewidmet und spezialisierte Zellen im Gehirn entdeckt, die als eine Art „Essbremse“ fungieren. Diese schütten Sättigungshormone aus und zwar infolge der Einwirkung von Insulin, einem Hormon der Bauchspeicheldrüse, das bisher bekannt war im Zusammenhang mit der Regulation des Blutzuckerspiegels. Demnach wirkt Insulin nicht ausschließlich nur als Regulator des Blutzuckerspiegels, sondern bewirkt eben auch die Freisetzung von Sättigungshormonen im Gehirn. Die ständige Zufuhr energiehaltiger Nahrung führe auch im Gehirn zu einer Art Unempfindlichkeit dieser spezialisierten Hirnzellen gegen Insulin und damit zu einer fehlenden Sättigungsregulation. Man schiebt durch ein ständiges Überangebot an Insulin, bedingt durch ein zu viel an Nahrung und falschen Nahrungsmitteln, die Sättigungsschwelle immer weiter hinaus, isst demzufolge unkontrolliert weiter und das „Zuviel“ an Energie sammelt sich schließlich am Bauch und den Hüften.

Doch was tun? Der Leidensdruck könnte kaum größer sein, Dicke sterben früher, erkranken bereits als Kinder an Altersdiabetes, lassen die Gesundheitskosten explodieren, bekommen keine Jobs, keine Partner und können wegen Adipositas sogar gekündigt werden. Es existieren kaum gesellschaftliche Nachteile, unter denen Übergewichtige nicht zu leiden haben und trotzdem wird munter weiter gefuttert, zum Arzt gerannt und darauf gewartet, das endlich einer eine Pille erfindet, die uns weiterfuttern lässt ohne Reue und Konsequenzen. Der Mensch ist eben ein Meister der Verdrängung sowie ein Gewohnheitstier und der innere Schweinehund hat bisher fast jeden gekriegt.

Dabei wäre die Lösung so einfach – Essen mit Sinn – mit Sinnen Essen – Bewegung mit Sinn – den Sinn bewegen. Aber dazu müsste man ja bei sich selbst anfangen.

Artikel eingestellt am: Mittwoch, 11. April 2007

Author: Sindy Zimmermann

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