Vor dem Hintergrund des weltweiten Adipositas-Problems stellen sich diese oder ähnliche Fragen. So ist es nicht verwunderlich, dass sich Ernährungsempfehlungen, wie das „Dinner-Cancelling“ (es handelt sich dabei um das Weglassen der Abendmahlzeit) großer Beliebtheit erfreuen. Aber macht nun das späte Essen tatsächlich dick?
Was meint die Wissenschaft:
Die wissenschaftliche Datenlage ist etwas widersprüchlich zu diesem Thema. Große Erhebungen mit bis zu mehreren tausend Teilnehmern/Innen wie beispielsweise die Follow-up Studie der NHANES I (= National Health and Examination Survey) oder die CSFII-Studie (=Continuing Survey of Food Intake by Individuals; 1985-86) konnten keinen Einfluss einer späten Mahlzeit auf das Körpergewicht ermitteln (1; 2).
Allerdings verglich eine weitere Studie das Ernährungsverhalten von übergewichtigen mit normalgewichtigen Frauen, dabei viel auf, dass die Gruppe der Übergewichtigen pro Tag mehr Mahlzeiten zu sich nehmen und ebenso vermehrt später am Tag. Damit ergab sich auch eine generell höhere Energiezufuhr pro Tag, was dann auch das mehr an Gewicht erklärt (3). De Castro stellte in seiner Untersuchung fest, dass ein spätes Abendessen mit einer generell höheren Energiezufuhr in Beziehung stand, dagegen eine morgendliche hohe Energiezufuhr mit einer geringeren täglichen Gesamtenergie assoziiert war (4).
Eine etwas kleinere Studie von Keim und Mitarbeitern konnte zeigen, dass ein umfangreiches Frühstück zu einer etwas stärkeren Gewichtsreduktion führt, als ein umfangreiches Abendessen (5). Isst man jedoch etwas mehr am Abend, so nimmt die fettfreie Körpermasse, sprich unsere Muskulatur, während einer Diätphase etwas weniger stark ab (5).
Was kann man demnach für das eigene Ernährungsverhalten lernen:
Bisher ist nicht klar, ob eine ausgedehnte späte Mahlzeit die Ursache für ein erhöhtes Gewicht ist. Entscheidend ist die Gesamtenergie. Wer nur so viel isst, wie er tatsächlich benötigt, der wird auch nicht zunehmen. Auch nicht dann, wenn er einen Großteil seiner Nahrung am Abend verzehrt. Eines gilt es allerdings zu beachten. Wer über den Tag verteilt wenig isst, für den besteht die Gefahr am Abend über die Stränge zu schlagen.
Meist wird dann mehr gegessen als tatsächlich benötigt wird. Die Folge ist eine stetige, meist schleichende Gewichtszunahme. Deshalb ist ein umfangreiches Frühstück einer ausgedehnten Spätmahlzeit vorzuziehen. Dazu kommt, dass unser Körper nach der nächtlichen Hungerperiode, Energie vor allem Kohlenhydrate benötigt, um leistungsfähig zu sein. Eine sehr späte und umfangreiche Abendmahlzeit dagegen zu Schlafproblemen führen kann, da das aufgenommene Essen noch verdaut werden muss.
Deshalb lautet unser Rat: Lieber am Morgen zuschlagen, als sich am Abend der Völlerei hingeben!
Literatur:
(1) Kant AK et al.: Evening eating and long-term weight change in the national cohort. Int J Obes Relat Metab Disord 21 (1997); 407-12
(2) Kant AK et al.: Evening eating and its relation to self-reported body weight and nutrient intake in women, CHFII 1985-86. J Am Coll Nutr 14 (1995), 358-63
(3) Berteus Forslund H et al.: Meal patterns and obesity in Swedish Women – a simple instrument describing usual meal types, frequency and temporal distribution. Eur J Clin Nutr 56 (2002),
(4) De Castro JM: The time of day of food intake influences overall intake in humans. J Nutr 134 (2004), 104-111
(5) Keim NL et al.: Weight loss is greater with consumption of large morning meals and fat-free mass is preserverd with large evening meals in woman on a controlled weight reduction regime. J Nutr 127 (1997), 75-82