Bereits 80 Jahre zuvor vermutete Otto Warburg, der Medizin-Nobelpreisträger von 1931, dass die Geschwindigkeit des Zellwachstums von Stoffwechselprozessen abhängig ist (sog. Warburg-Hypothese). So gewinnen Krebszellen einen Großteil ihrer Energie über die anaerobe Verwertung von Nährstoffen (anaerob = ohne Sauerstoff) und zeigen eine verschlechterte aerobe Kapazität (aerob = mit Sauerstoff), was Warburg als die primäre Ursache für das maligne Wachstum ausmachte.
Diese Hypothese wurde allerdings bis heute weder hinreichend untermauert noch widerlegt. Wissenschaftlern aus Jena und Potsdam ist es nun gelungen, diese Hypothese zu unterstreichen. Mitarbeiter der Arbeitsgruppe um Prof. Dr. med. Ristow vom Institut für Ernährungswissenschaften der Universität Jena bauten erfolgreich die Erbsubstanz des Proteins Frataxin, einem Protein, dass maßgeblich an aeroben Stoffwechselprozessen in den Energiekraftwerken der Zelle (Mitochondrien) beteiligt ist, in Krebszellen ein und konnten zeigen, dass diese Krebszellen ein vermindertes Wachstum und eine reduzierte Tumorgenität aufwiesen.
Als Ursache geben die Wissenschaftler eine verbesserte Stoffwechselaktivität, insbesondere des aeroben Stoffwechsels, an. Das heißt, die wie beschrieben veränderten Zellen sind in der Lage Nährstoffe effizienter für die Energiebereitstellung zu nutzen. Diese Entdeckung kann von entscheidender Bedeutung für die Entwicklung neuer Krebsmedikamente sein. Ziel könnte es sein, Substanzen oder Wirkstoffe, ja sogar spezifische Nährstoffe zu finden, die den gleichen Effekt auf den Stoffwechsel ausüben, wie das eingebaute Protein Frataxin. Solche Substanzen könnten potentielle und äußerst wirksame Mittel im Kampf gegen den Krebs darstellen.
Quelle: Schulz et al., The Journal of Biological Chemistry 281 (2006): 977-981