Prim. Univ.-Prof. Dr. Dr. Josef Niebauer (Leiter und Primar, Universitätsinstitut für präventive und rehabilitative Sportmedizin der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg)
Ausdauersport zur Vorbeugung und Therapie von Zivilisationskrankheiten
Wir erleben derzeit eine Epidemie der körperlichen Inaktivität, was zu einer drastischen Zunahme an Zivilisationskrankheiten führt. Dies wiederum ist mit einer deutlich eingeschränkten Lebensqualität und Lebenserwartung verknüpft. Körperliches Ausdauertraining hat sich sowohl bei der Prävention dieser Erkrankungen als auch in der Therapie und Rehabilitation etabliert und nimmt dort einen wachsenden Stellenwert ein. Da Sport lebenslang betrieben werden soll gilt es zu identifizieren wie dieses effektive „Therapeutikum“ bei jedem Bürger zur Vorbeugung oder gar Therapie korrekt und konsequent „verordnet“ und „dosiert“ werden kann. In diesem Vortrag werden die den Zivilisationskrankheiten zugrunde liegenden Mechanismen erklärt und dargelegt wie Ausdauertraining nicht nur die Risikofaktoren günstig beeinflusst sondern auch den Verlauf von Erkrankungen erfolgreich und nachhaltig verändert.
Dr. Nanna L. Meyer (The Orthopedic Specialty Hospital, Salt Lake City, USA)
Ernährung für Training und Wettkampf im Skilanglauf
Intensives Langlauftraining erfordert eine sehr hohe Energieaufnahme. Im Leistungsport sind Studien bekannt, welche Energieumsätze bis zu 80 Kilokalorien pro Kilogramm Körpermasse pro Tag (kcal/kg/Tag) beschrieben haben. Um im täglichen Trocken- und Schneetraining solch hohe Energieumsätze abdecken zu können, muss die Nahrungsaufnahme dementsprechend häufig und voluminös stattfinden. Die Hauptenergiequellen im Langlaufsport stellen die Kohlenhydrate und Fette dar. Kohlenhydrate werden in Form von Glykogen aber nur limitierend im Muskel und der Leber gespeichert.
Weil die Glykogenspeicher sehr schnell während intensivem Training und Wettkampf, vor allem im Langlaufsport, ausgeschöpft werden, muss große Achtsamkeit auf die rapide und zeitlich richtig geplante Füllung der Speicher gelegt werden. Während 7-10 g/kg/Tag Kohlenhydrate im intensiven Training empfohlen werden, muss zur optimalen Wettkampfvorbereitung über längere Distanzen ein Carbohydrate Loading von 1-3 Tagen mit ca. 10-13 g/kg/Tag Kohlenhydraten durchgeführt werden. Obwohl Fette im sportlichen Körper im Fettgewebe zu Genüge vorkommen, können die intramuskulären Speicher nach langer Belastung ebenfalls ausgeschöpft sein und sind somit von einer etwas fettreicheren Ernährungsweise über kurze Zeitdauer positiv beeinflussbar. Obwohl die Kapazität der Fettverbrennung mittels kurzzeitiger fettreichen und kohlenhydratarmen Ernährungsweise theoretisch gesteigert werden kann, ist die praktische Durchführung und die Leistungsverbesserung nach so genanntem Fat Loading immer noch zweifelhaft. So wird generell empfohlen, die Ernährungsweise im Langlaufsport auf kohlenhydratreich und fettarm zu richten.
Protein, im Ausdauersport, sollte sich auf ca. 1.5 – 1.6 g/kg/Tag richten. Proteine sollten demnach, wie Kohlenhydrate und Fette, bei allen Mahlzeiten sowie Zwischenmahlzeiten, im richtigem Mabe vorkommen. Neben der Quantität und der richtigen Anpassung der Makronährstoffe auf die sportliche Belastung, sollte im Langlaufsport auch die Qualität der Mikronährstoffe miteinbezogen werden. Obwohl AthletInnen oft Supplemente zu sich nehmen, können diese nie die ausgewogene Ernährung ersetzen und es sind sehr oft, aber nicht ausschließlich, die jungen Athletinnen, welche von Nährstoffmangel, wie z.B. Eisenanämie, betroffen sind. Letztlich steht die Vorbereitung zum täglichen Training und dabei vor allem das zeitlich richtig abgestimmte Essen und Trinken und dessen Quantität und Qualität ebenfalls im Vordergrund der Ernährung im Langlaufsport, vor allem dann, wenn mehrmals pro Tag trainiert wird.
Dr. Nanna L. Meyer (The Orthopedic Specialty Hospital, Salt Lake City, USA)
Essstörungen und Triade der sporttreibenden Frau: Behandlung und Prävention
Essstörungen kommen in vielen Sportarten vor, sind aber vor allem in den ästhetisch-bedingten (z.B. Kunstturnen) und Ausdauersportarten (z.B. Laufsport, Langlauf) bekannt. Im Skilanglauf sind Essstörungen vor allem auf die potentiell begünstigte Leistungsfähigkeit mittels Gewichtsverlust, zumindest temporär, zurückzuführen. Daten im Spitzensport zeigen, dass Essstörungen in ca. 20% der Frauen vorkommen; diese Zahlen schließen klinische (Anorexia Nervosa und Bulimia Nervosa) und subklinische Essstörungen (Anorexia Athletica) mit ein. Die Konsequenzen einer Essstörung können sich kurz- und langfristig auswirken.
Leistungsabfall, trotz möglicher temporärer Verbesserung der Leistung, steht neben einem beeinträchtigtem Immunsystem und der Anfälligkeit auf Krankheiten und Verletzungen im Zentrum der kurzfristigen Konsequenzen. Längerfristig gesehen, werden aber die Menstruationstörungen und der damit zusammenhängende Verlust an Knochendichte immer ausgeprägter. Die Zusammenhänge zwischen Essstörungen, Menstruationsunregelmässigkeiten oder sogar dem Ausbleiben einer regelmäßigen Monatsblutung und dem beschleunigten Knochenverlust, wie auch beeinträchtigtem Knochenaufbau werden als die Triade der sporttreibenden Frau (Female Athlete Triad) bezeichnet. Athletinnen sollten sich im Sport jährlich einem “Screening”, durchgeführt vom jeweiligen Sportverband, unterziehen.
Jede Triadekomponente (Essstörungen, Menstruationsstörung, und Knochendichte/Stressfraktur) ist durch ein Spektrum charakterisiert, welches zur Identifizierung von risikoreichen Athletinnen beigezogen werden kann (z.B. kann in der Sprechstunde eine Menstruationsstörung auffallen, ohne dass ein gestörtes Essverhalten existiert). Dies kann möglicherweise die Entwicklung des klinischen Syndroms verhüten und unterstützt die Athletin in ihrem Werdegang als Spitzensportlerin auf gesundheitsbezogener und sportlichen Ebene. Die Problematik der Essstörungen und ihre Folgen (cf oben) sollte neben einem “Screening” der jungen Athletinnen ihren Trainern und, je nach Alter, den Eltern bekannt gemacht werden, um eine frühzeitige Überweisung der gefährdeten Sporlerin an ein spezialisiertes Behandlungsteam (zusammengesetzt aus den Branchen Medizin, Psychologie und Sporternährung) nicht zu verpassen.
Aus- und Weiterbildung im Bereich Ernährung der Frau im Sport sollte frühzeitig zur Prävention eingesetzt werden. Gewichtsmanipulationen sollten nur in Zusammenarbeit mit Fachpersonal und gesundheitsgerecht und mit individuell-abgestimmten Zielsetzungen unternommen werden.