Bengt Saltin hat in den Anfängen seiner wissenschaftlichen Laufbahn die nach ihm benannte Saltin-Diät zur maximalen Auffüllung der Glykogenspeicher vor einem Wettkampf entwickelt und in den letzten Jahren die weltweiten Anti-Doping-Forschungen von IOC und später dann auch von der WADA geleitet und koordiniert. Er gilt als einer der größten und durchaus auch streitbaren Experten im Bereich Doping und Blutmanipulation ...
Ziel der Studie war es herauszufinden, ob und warum die Hämoglobinkonzentrationen bei Hochleistungssportlern im Jahresverlauf und bei verschiedenen Höhen-, sowie Belastungszuständen schwanken.
Durch die WADA unterstützt nahmen daran schwedische, französische und deutsche Athleten, darunter Franz Göring, Jens Filbrich und Evi Sachenbacher-Stehle, teil.
Die Studie kommt in ihrem Ergebnis zu einer sehr eindeutigen Aussage, nämlich der Hb-Wert ist individuell ein sehr stabiler, robuster und reproduzierbarer Wert. Während die Studie bei der Hämoglobin-Konzentration zeigen konnte, dass geringe Veränderungen in Abhängigkeit des Flüssigkeitshaushalts, der Vorbelastung oder der Höhe vorhanden sind, zeigten sich auf der individuellen Ebene keine signifikanten Veränderungen. Das heißt, dass sich der menschliche Organismus prinzipiell gleich an veränderte Umweltbedingungen anpasst, man aber das jeweils individuelle Ausgangsniveau beachten muss, denn es gab in den Mechanismen keine Unterschiede zwischen Männern und Frauen, oder zwischen Menschen mit hohem und niedrigem HB-Wert. Dies ist also wieder ein wichtiges Argument für den individuellen Athletenpass, bei dem man zukünftig individuelle Grenzwerte in einem ganz engen Bereich von plus-minus 10% festlegen könnte.
Die Ergebnisse zeigen aber auch, dass die durchaus starken Hb-Veränderungen bei einzelnen Athleten nicht durch die häufig genannten Gründe wie Höhentraining erklärbar sind, sondern vielmehr einen deutlichen Hinweis auf Blutmanipulationen darstellen. Insbesondere dann wenn man bedenkt, dass durch die Nachweismethoden im Bereich EPO und Co. die durchschnittlichen Hb-Konzentrationen nach einem dramatischen Anstieg in den neunziger Jahren seit Ende der Neunziger wieder kräftig am Sinken sind.
Bei allen Fakten rund um das Thema Blutkontrollen sollte man allerdings auch nicht vergessen, dass in Hinblick auf die Validität der Tests und damit auch der Fairness gegenüber den Athleten ein sehr gewissenhaft und standardisiert durchzuführender Prozess der Blutabnahme, des Bluttransports und der Blutuntersuchung eingehalten werden muss. Dazu muss die Ausrüstung selbst während eines einzigen Testtags regelmäßig neu kalibriert werden.
Dies sind also noch sehr große Herausforderungen für die Zukunft, um faire Wettkämpfe zu ermöglichen und die Athleten hart, aber fair und gerecht zu testen. Aber auch wenn es bis zu den Tests und damit der Nachweisbarkeit von Manipulationen noch weit ist, so zeigt diese Studie auf alle Fälle schon einmal, dass man sich nicht einfach hinter „hartem Training in der Höhe, einer speziellen Diät“, oder sonst welchen Erklärungen verstecken kann, wenn im Jahresverlauf und über mehrere Jahre hinweg große Schwankungen bei den Hb-Werten auftreten. Wer also glaubwürdig bleiben möchte, sorgt für Transparenz und legt seine Werte freiwillig offen, wie dies ja zuletzt auch Evi Sachenbacher-Stehle getan hat.